SCHMERZMYTHEN
Was nachgewiesen NICHT zu Schmerzen führt
Im Folgenden räumen wir mit einigen der (leider) unzähligen Mythen zum Thema Schmerz auf. Die Liste ist längst nicht vollständig.
„Das ist alles nur in Deinem Kopf.“
Das Gehirn spielt zwar eine wichtige Rolle in der Schmerzentstehung, trotzdem bilden sich Menschen ihre Schmerzen nicht ein. Auch dann nicht, wenn auf dem MRT oder Röntgenbild alles in Ordnung ist. Gesundheitsexpertinnen sollten Sätze wie diese vermeiden. Der Bericht einer Person über eine Erfahrung mit Schmerz sollte immer akzeptiert, respektiert und ernst genommen werden.
Neben biologischen Faktoren (Muskeln, Gelenke usw.) spielen auch psychologische, soziale und kulturelle Aspekte eine Rolle in der Schmerzwahrnehmung. Daher unser ganz klarer Hinweis: Wenn Dir ein Gesundheitsexperte sagt, dass alles nur in Deinem Kopf stattfände, dann such Dir einen neue Bezugsperson!
„Mit Schmerzen sollte ich mich immer schonen.“
Bei schweren, akuten Beschwerden kann eine Pause von körperlicher Aktivität sicherlich kurzfristig sinnvoll sein. Trotzdem tragen Bewegung und ein angepasstes Training in den meisten Fällen nachhaltig zur Verbesserung bei.
Mal angenommen Du hast Knieschmerzen und schonst ab sofort Deine Knie. Was wird zwangsläufig passieren? Du baust Muskulatur ab und die Strukturen um Dein Knie herum werden weniger belastbar. Wenn Du jetzt Deine Knie wieder belastest, ist die Gefahr größer, dass Du auch wieder Knieschmerzen bekommst.
Die Lösung kann ein gut geplantes, strukturiertes Krafttraining sein, um die Belastbarkeit Deiner Knie zu erhöhen und Dich weniger anfällig für Schmerzen zu machen.
Außerdem:
Du musst nicht erst “geheilt” sein, bevor Du wieder mit etwas anfangen kannst, das Dir wichtig ist. In diesem Satz stecken zwei wichtige Punkte.
- Du solltest sofort aktiv werden (auch wenn Du Schmerzen, vermeintliche Fehlstellungen oder Ähnliches hast) und Dich auf die Dinge konzentrieren, die Du bereits tun kannst.
- Sport kann einen großen Teil dazu beitragen, Deinen Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen. Wir ermutigen Dich dazu, so schnell wie möglich wieder mit Deinem Lieblingssport einzusteigen. Und, wenn es nur ganz langsames Joggen oder mit dem Fußball jonglieren ist – es wird Deinem Gemüt und damit Deinen Schmerzen unheimlich guttun.
Selbstverständlich solltest Du davor überprüfen, ob Dein Körper widerstandsfähig genug für die Bewegungen ist.
„Wenn etwas schmerzt, muss etwas kaputt sein.“
Wenn etwas wehtut, heißt das nicht automatisch, dass auch etwas „kaputt“ ist. Im Gegenteil haben viele Menschen mit Bandscheibenvorfällen, Knorpelschäden am Knie oder anatomischen Veränderungen an der Schulter keine Schmerzen. Wir können also sowohl Schmerzen empfinden, ohne dass auf struktureller Ebene etwas kaputt ist als auch keine Schmerzen haben, obwohl das MRT sagt, dass eine strukturelle Veränderung an Schulter, Wirbelsäule oder Knie vorliegt.
Wichtig zu merken: Schmerz ist nicht gleich Gewebeschaden!
„Ich habe zu viel gemacht, deswegen tut es weh.“
Streng genommen nicht unbedingt ein Mythos, weil dieser Satz sicherlich nicht falsch ist. Richtig müsste es heißen „ich habe zu schnell zu viel gemacht, nachdem ich zu lange zu wenig gemacht habe.“
Oft sind wir über lange Zeiträume recht inaktiv. Bewegen uns wenig, machen kaum oder gar keinen Sport. Und dann fragt uns der beste Freund, ob wir beim Umzug helfen. Klar helfen wir. 6 Stunden Kisten schleppen und am nächsten wachen wir auf und der Rücken tut weh. Warum? Wahrscheinlich hast Du die Kisten nicht „richtig“ getragen, oder?
Die Wahrheit ist, dass Dein Rücken auf die Belastung nicht vorbereitet war. Wenn Deine Muskulatur, Sehnen, Bänder etc. wochenlang kaum belastet wurden, Du dann aber 6 Stunden Kisten von A nach B schleppst, ist es doch nur logisch, dass Dein Körper Dir signalisiert, dass er das gerade nicht so gut findet. Also ja, Du hast zu viel gemacht und das kann zu Schmerzen führen. Aber nur, wenn Du vorher zu wenig gemacht hast.
Die Lösung: Die Muskulatur stark und belastbar halten, dann kann Dir auch der nächste Umzug nichts!
„Ich habe Übung xy falsch ausgeführt, darum habe ich Schmerzen.“
- „Deine Knie dürfen nicht über die Zehenspitzen.“
- „Deine Knie dürfen bei Kniebeugen nicht nach innen kippen.“
- „Dein Rücken darf beim Kreuzheben nicht rund werden.“
Drei häufige Sprüche, die leider auch immer wieder von Personal in Fitnessstudios und Physiopraxen reproduziert werden. Das Problem? Der Körper wird als „Maschine“ betrachtet. Als würde er sich „abnutzen“, wenn wir ihn nicht „richtig“ benutzen. In echt sieht das Ganze komplett anders aus.
Dein Körper ist unglaublich anpassungsfähig. Wird Dein Körper “einseitigen” Kräften ausgesetzt, erhöht er seine Widerstandsfähigkeit, indem er beispielsweise mehr Knorpel- oder Knochenmasse aufbaut. Diese Tatsache sollte Dir die Angst nehmen, “falsche Bewegungen” zu machen und Dir dabei helfen, Dich mit mehr Selbstvertrauen zu bewegen. Es gibt nämlich keine falschen Bewegungen – es gibt lediglich Bewegungen oder Belastungen, für die Dein Körper noch nicht widerstandsfähig genug ist. Ziel ist es also, Deine Widerstandsfähigkeit mit der Zeit aufzubauen, indem Du die Intensität und Dauer von aktuell noch schmerzhaften Bewegungen langsam aufbaust.
Weitere Schmerzmythen, v.a. zum Thema Rückenschmerz findest du in diesem Artikel.
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